Liebe Leser,
die Lage eskaliert in Stuttgart. Die Polizei setzt Wasserwerfer ein und versucht den Park zu räumen. Es gibt viele Verletzte. Auf die aktuelle Berichterstattung möchte ich nicht so sehr eingehen, ich biete Hintergrundinformationen.
Jeder kann sich ein Bild von der Lage vor Ort machen. Die Seite Cams21 bietet hierzu einen Live Stream von mobilen Webcams an. Des Weiteren sind die relevanten Webseiten zu diesem Thema dort verlinkt. Empfehlenswert sind die Seiten von
parkschuetzer.de und
bei-abriss-aufstand.de.
Dort sind erschütternde Bilder des Protestes hinterlegt.
Bei diesem Protest zeigt sich, dass die Gewalt eben nicht vom Volk ausgeht, so wie es im Grundgesetz Artikel 20 verankert ist.
Die Zeit online hat einen Leserartikel-Blog eingerichtet:
“Leidtragende des hiesigen Pressemonopols werden auch aus Hermanns Einlassungen zur indoktrinierenden Stuttgarter Hofberichterstattung Trost ziehen: “ Die Wahrheit ist, dass beide Stuttgarter Zeitungen das Projekt über Jahre hinweg nur positiv begleitet haben. Kritische Stimmen wurden weitgehend unterdrückt. All das geschah auf Anweisung des Herausgebers bzw. Chefredakteurs. Das geben die heute offen zu. Nachdem massenweise Abos gekündigt wurden, haben sie endlich auch dem Protest Raum gegeben.“
Ja, ja. Bliebe von der Morgenlektüre noch der STERN zu erwähnen, der wieder einmal mit dem Hammer kommt: “Addiert man die[se] Zahlen zur Neubaustrecke, kommt das Gesamtprojekt S 21 auf Kosten von 12,2 Milliarden Euro – im günstigsten Fall. Im realistischeren Fall rechnen Vieregg & Rößler mit 18,7 Milliarden Euro. Und das alles, um ein paar Minuten schneller in München zu sein.” Und das Radio meint dazu, Vieregg & Rößler hätten die dumme Angewohnheit, mit ihren Zahlen am Ende immer ziemlich nahe an den tatsächlichen Kosten zu liegen.
Hermann fasst dann nocheinmal drei Hauptargumente gegen S21 zusammen: “Erstens, dass der bestehende Kopfbahnhof mit integralem Taktfahrplan und den wenigsten Verspätungen von allen deutschen Großstadtbahnhöfen zerstört wird. Zweitens ist der geplante unterirdische Bahnhof ein viele Milliarden Euro kostender unterirdischer Gleis-Engpass mit einem immensen Kostenrisiko. Drittens sind die ökologischen Risiken mit dem Grund- und Mineralwasser kaum beherrschbar.” und stellt klar, dass darüber hinaus 80 Prozent der Bahnkunden Leidtragende des Projektes sein werden”
Auszüge aus dem Artikel bei rp-online:
“Gegen 11 Uhr hat die Polizei ihren Großeinsatz zur Einrichtung der Baustelle auf der Südseite des Hauptbahnhofs für das Milliardenprojekt “Stuttgart 21″ begonnen – die Baumfällungen stehen unmittelbar bevor. Angesichts des emotionalen Themas aktiviert die Gegnerorganisation Parkschützer ihren Alarm, so dass innerhalb kurzer Zeit Tausende Demonstranten in den Schlossgarten strömen. Viele Demonstranten machen sich auf eine lange Nacht gefasst, denn dann sollen die ersten Bäume fallen.
Viele klettern auf Bäume, versuchen die Absperrungen zu überwinden oder machen ihrem Unmut einfach nur mit Tröten, Trillerpfeifen und Vuvuzelas Luft. Die Demonstranten diskutieren heftig mit den Polizisten und schreien sie auch teilweise an: “Das haltet ihr doch auch nicht durch!” ruft eine gut gekleidete Frau in Anspielung darauf, dass die Baustelle rund zehn Jahre im Schlossgarten der Dauerzustand sein soll.”
Der Tagesspiegel berichtet:
„Menschen wurden mit Wasserwerfern von den Bäumen geschossen“, sagte der Schriftsteller Wolfgang Schorlau im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Ich habe Bilder gesehen, die ich in Stuttgart nie für möglich gehalten hätte.“ Regisseur und Schauspieler Volker Lösch, der seine Tochter zur Kundgebung begleitet hatte, sprach von einer „neuen Qualität des Kampfes“. Schüler, die sich vor einem Polizeiwagen aufgebaut und dort Texte vorgetragen hätten, seien unvermittelt von einer Gruppe Polizisten angegriffen worden und dann aufgewühlt weggerannt. „Etwa 3000 Menschen waren plötzlich harten Wasserstrahlen ausgesetzt, obwohl sie weder aggressiv aufgetreten noch im Weg gewesen waren“, schilderte Lösch. „Ich habe auch gesehen, wie Polizisten eine etwa 60-jährige Frau zusammenprügelten.“ Rufe wie „Aufhören! Aufhören!“ und zu Friedenszeichen geformte, in die Luft gereckte Hände hätten die Polizisten nicht „besänftigen“ können.
Viele Stuttgarter lehnen die Pläne, den Hauptbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umzuwandeln, ab. Sie kritisieren die Veränderungen, die die Umgestaltung für das Stadtbild bedeutet sowie die Kosten, die die Umsetzung des Vorhabens verursacht. Seit Wochen sammeln die Stuttgart-21-Gegner Unterschriften und mobilisieren die Bürger, sich gegen die Bauarbeiten zu wehren. Erst am Montag dieser Woche waren 18 000 Menschen für einen Baustopp auf die Straße gegangen. Die Befürworter versprechen sich von dem Projekt schnellere Bahnverbindungen, die Schaffung neuer Jobs und Platz für neuen Wohnraum.”
Die taz schreibt:
“Insgesamt hätten bis zum späten Nachmittag etwa 1.000 Menschen Augenverletzungen erlitten. Hinzu kämen etliche Prellungen, Platzwunden, Verletzungen an Bändern und andere Verletzungen. Bei einer minderjährigen Demonstrantin sei eine Gehirnerschütterung festgestellt worden.
“Das habe ich seit ’68 nicht mehr erlebt” – die frühere Verdi-Landesvorsitzende Sybille Stamm berichtete von massiven Gewalteinsatz bei der Auflösung von Blockaden. Sie habe neben Demonstranten gestanden, die sich an einen Zaun gekettet hatten, und sei ohne Vorankündigung von Polizisten zu Boden geworfen, getreten und mit Tränengas besprüht worden.”
Ich hoffe die Informationen bringen mehr Klarheit.
Liebe Grüße,
Dirk
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